Wildkaninchen
(Oryctolagus cuniculus L.)
Erscheinungsbild
- männliches Wildkaninchen: Wildkaninchen-Rammler
- weibliches Wildkaninchen: Wildkaninchen-Häsin
- Äußerlich keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
- Gewicht: 1,2 bis 2 kg
- Körperlänge: 40 bis 43 cm
- Maximale Geschwindigkeit 39 km/h
Das Wildkaninchen ähnelt dem Feldhasen, weist aber folgende Unterscheidungsmerkmale auf:
| Merkmal | Wildkaninchen | Feldhase |
| Ohren | kürzer als Kopf | genauso lang wie Kopf |
| Ohrspitzen | braungrau | schwarz |
| Fell | braungrau | Oberseite erdbraun rötlich, Bauchseite weiß |
| Größe | das Wildkaninchen ist nur halb so groß wie Feldhase |
Lebensraum
- Ursprünglich ist das Wildkaninchen ein Steppenbewohner.
- Es bevorzugt Landschaften mit leicht grabbaren Sandböden und warmen oder zumindest mildem Klima.
- In Deutschland lebt es an Waldrändern, in Heidelandschaften und in lichten Kiefernbeständen, aber auch in Parks, Grünanlagen und auf Friedhöfen. Größere Felder und geschlossene Waldgebiete meidet es.
- Das Wildkaninchen gräbt im Gegensatz zum Feldhasen unterirdische Erdbaue mit mindestens zwei Ausgängen. In einem Erdbau lebt der streng hierarchisch geordnete Familienverband, der selten mehr als sieben Tiere umfasst. Mehrere Familien schließen sich zu einer Kolonie zusammen, die aus über 100 Tieren bestehen kann.
Verbreitung und Stellung im zoologischen System
- Ursprung in den Mittelmeerländern, insbesondere Spanien und Nordwestafrika.
- Mittlerweile ist es in ganz West- und Mitteleuropa, in westlichen Teilen Osteuropas, auf Australien, Neuseeland, Feuerland und auf den Kerguelen verbreitet.
- Es gehört zur Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) und zur Familie der Hasen (Leporidae) und ist die Stammform des Hauskaninchens; gezähmte Kaninchen werden auch „Stallhasen“ genannt, was biologisch nicht richtig ist.
Nahrung
- Reiner Pflanzenfresser, wenig spezialisiert: Gräser, Kräuter, junge Saaten, Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde.
- Genau wie der Feldhase frisst es die eigene Blinddarm-Losung zur Regulierung des Vitamin B1-Haushalts auf.
- Nimmt Nahrung in der Dämmerung und auch nachts auf; in ruhigen Gebieten ist es auch tagaktiv. Es legt bei der Nahrungsaufnahme nur kurze Entfernungen von max. 200 m zurück.
- Durch das kolonieweise und damit massenhafte Auftreten von Wildkaninchen werden beträchtliche Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen angerichtet, z. B. in Gemüse- und Obstanlagen, Weinbergen, Forstkulturen.
Foto: Thermos (GNU Free Documentation Licence)
Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
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Sinnesleistung und Lautäußerung
- Der Bewegungssinn ist hervorragend ausgeprägt.
- Geruchsinn und Gehör sind gut entwickelt; Bodenerschütterungen werden sehr gut wahrgenommen.
- Bei Gefahr werden Artgenossen im Bau durch kräftiges Klopfen mit den Hinterläufen gewarnt.
- Kaum Lautäußerungen, Jungtiere quietschen oder murren. Auffällig ist der helle, durchdringende Klageschrei.
Fortpflanzung, Lebensweise und Lebenserwartung
- Paarungszeit: ab Februar bis August/September
- Das dominante Männchen paart sich mit mehreren Weibchen; andere Männchen werden vertrieben.
- Trächtige Kaninchenhäsinnen legen abseits der Familienbaue kurze, unverzweigte Setzröhren mit gepolsterten Enden an.
- Nach einer Tragzeit von 28 bis 33 Tagen setzt die Wildkaninchen-Häsin bis zu fünfmal im Jahr drei bis zehn Jungtiere. Die Jungen werden nackt und blind geboren und wiegen ungefähr 50 g.
- Nach drei Wochen verlassen Jungkaninchen die Setzröhren; nach fünf bis sechs Monaten sind sie geschlechtsreif.
- Wildkaninchen bringen pro Jahr bis zu 20 Jungen zur Welt, davon erreichen höchstens vier oder fünf das Erwachsenenalter.
- Höchstalter: 1,5 bis 2 Jahre
Gefahren für Wildkaninchen
- Nasskalte Witterung und schneereiche Winter. Starke Regenfälle verursachen Überschwem-mungen in den Bauen und können zu Einstürzen führen
- Krankheiten: Myxomatose, Chinaseuche, Kokzidiose
- Feinde: alle einheimischen Beutegreifer wie Fuchs, Marder, Dachse, Wiesel, Iltis, verwilderte Katzen und Greifvögel.
- Straßenverkehr, Landwirtschaft, Flurbereinigung


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