Geschichte

Zur Geschichte der Landesjägerschaft Bremen e.V. 1946 bis 2006

Dr. Arend Tellmann
Foto: Foto Ljb
Dr. Arend Tellmann
Der Niedersächsische Jägerbund - gegr. 27. September 1945 - empfahl den Bremer Jägern, eine Kreisgruppe in diesem Bund zu bilden. Rechtsanwalt und Notar Dr. Arend Tellmann wurde gebeten, die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Dies geschah zunächst durch zwei Zeitungsannoncen, in denen die Bremer Jäger zu einer Versammlung am 4. Januar 1946 in die Turnhalle des "Vereins Vorwärts" in der Sandstraße eingeladen wurden.

Es erschienen über 400 Waidgenossen, von denen sich aber It. Verordnung der Militärregierung nur diejenigen an der Gründung beteiligen durften, die nicht politisch belastet waren. In dieser Zusammenkunft wurde die „Kreisgruppe Bremen des N.J.B." gegründet, als deren 1. Vorsitzender Dr. Tellmann gewählt wurde. Durch sein Engagement entwickelte sich bald ein reges Vereinsleben. Als sich schließlich die Jagdverbände der einzelnen deutschen Länder zum Deutschen Jagdschutz-Verband zusammengeschlossen hatten und Bremen wieder ein selbständiges Land geworden war, entstand aus der Kreisgruppe nun der Landesjagdverband Bremen im Deutschen Jagdschutz-Verband. Dieser nahm später den traditionellen Namen „Bremer Jägervereinigung" an. Um die Fülle der Aufgaben besser bewältigen zu können, wurden im Stadtgebiet Bremen zunächst 12 Hegeringe gegründet.

Mit der Zurückerlangung der Jagdhoheit durch das neue Bundesjagdgesetz vom 29.11.1952 hatten die Revierinhaber wieder das alleinige Recht der Bejagung. Angehörige der Besatzungsmächte konnten ab sofort nicht mehr ohne Erlaubnis in Bremer Revieren jagen. Die damalige Oberste Jagdbehörde, der Senator für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ernannte im Oktober 1953 Herrn Dr. Tellmann zum Landesjägermeister. Hier entstand die Personalunion Landesjägermeister - Präsident der Bremer Jägervereinigung. Gleichzeitig wurde Rechtsanwalt Walter Reichard zum Stadtjägermeister ernannt. Unter der Beibehaltung der drei Kreisgruppen (vorher Jagdkreise) Bremen-Stadt, Bremen-Nord und Bremerhaven wurden die Stadtgruppen z.T. neu geordnet:  Lesum, Vegesack und Blumenthal wurden zusammengefügt - neue Bezeichnung Bremen-Nord. Findorff, West, Walle, Gröpelingen, Oslebshausen, Grambke und Büren wurden zu Bremen-West. Die Stadtteile Hastedt, Ostertor, Steintor, Altstadt und Bahnhofsvorstadt bildeten nun Bremen-Zentrum. Bremen-Nordost (früher Ost) setzte sich aus Oberneuland, Rockwinkel, Borgfeld, Timmersloh, Osterholz, Mahndorf, Hemelingen, Sebaldsbrück, Ober- und Niederblockland zusammen. Die Stadtgruppen Neustadt und Schwachhausen blieben wie bisher erhalten. Somit setzten sich die Kreisgruppen Bremen Stadt und Bremen Nord jetzt aus sechs Stadtgruppen zusammen.

Die seinerzeit errichteten 12 Hegeringe wurden überflüssig und 1954 wieder aufgelöst. Sie sollten dem ausgesprochenen Zweck dienen, die Grundlage für eine evtl. Waffenverteilung zu bilden. Das starke Interesse an der Jagdausübung belegen die Angaben zu den Jägerprüfungen: Die Prüfung im Juni und November 1955 in der Meierei bzw. im Hotel zur Post bestanden 47 Anwärter. Im Jahre 1956 fanden die Prüfungen bei Geerken-Harjes, Verl. Hemmstraße, statt. Als Ausbilder war ab 1955 Herr Revierjäger Klein als Nachfolger des Wildmeisters Mewes tätig.

Die Mitgliederzahl der BJV (incl. Bremerhaven) war zum 31.3.1957 bereits auf 860 gestiegen. Auf den landwirtschaftlichen Ausstellungen 1954 im Bürgerpark, sowie 1956 auf dem Bremer Messegelände war die Bremer Jägervereinigung durch eine Lehr- und Trophäenschau vertreten, für die der Vizepräsident Herr Dr. med. H. Mindermann verantwortlich zeichnete. Als Gutachterkommission fungierten Rechtsanwalt W. Reichard, Landgerichtsdirektor Dr. Minnich und Kaufmann Hans Windeis. Bei den Besuchern fanden diese Darstellungen besonderes Interesse. „Die Schau vermittelte auch dem erfahrenen Jäger manche interessante Einzelheiten. Vor allen Dingen aber war sie auch gedacht als Aufklärung und Belehrung für den Kreis der Nichtjäger und zeigte die reichhaltige „Lebewelt“ unserer Norddeutschen Heimat."

Zum ersten Mal seit Bestehen des Deutschen Jagdschutz-Verbandes fand 1955 die Präsidialsitzung in der Hansestadt Bremen statt. Senator Yström, der Leiter der Landesjagdbehörde Bremen, begrüßte die Tagungsteilnehmer im Namen des Senats und sprach dem DJV den Dank für sein Bemühen aus „unserem Volk die durch wachsende Industrialisierung gefährdete Tierwelt unserer Wildbahn als wichtiges Naturgut zu erhalten." Zwei von vielen Tagungspunkten:

  1. Vorschlag zur Änderung der Abschussrichtlinien beim Rehwild, da der bisherigen Art der Jagdausübung der Erfolg der Trophäenaufbesserung versagt geblieben war.
  2. Beschluss, dass die Jagdausübung auf Enten von Motorbooten aus verboten wird. Nach der 8-stündigen Präsidialsitzung schloss sich ein Empfang durch den Bremer Senat im Rathaus an. Am nächsten Tag unternahmen die Teilnehmer eine Bahnfahrt nach Bremerhaven und eine Dampferfahrt zu der durch Bomben verwüsteten Insel Helgoland.

Bei der alle zwei Jahre stattfindenden Landesausstellung „Landwirtschaft und Wirtschaft" war die BJV weiterhin regelmäßig vertreten und galt als besonderer Anziehungspunkt. Das alljährliche „Grüne Fest" wurde zum gesellschaftlichen Ereignis in Bremen. Es erreichte an den jeweiligen Veranstaltungsorten: Glocke, Niederdeutsche Bühne, Astoria oder Parkhotel hohe Besucherzahlen durch Jäger und Gäste.

Im Jahre 1959 wurden durch Wiederwahl bestätigt:

  • Herr Dr. Tellmann - Präsident und Landesjägermeister
  • Herr Dr. Mindermann - Vizepräsident und stellv. Landesjägermeister
  • Herr H. Jonas - Schatzmeister
  • Herr W. Bormann - Schriftführer

Die Bremer Jägervereinigung wurde „e.V." und erlangte Gemeinnützigkeit. Bei zwei Stimmenthaltungen wurde eine Beitragserhöhung von DM 10,-auf DM 15,- zugestimmt. Die neugefasste Satzung wurde einstimmig genehmigt. Herr Dr. Tellmann gab Kenntnis von einem von Herrn Ottens geäußerten Wunsch, den „Niedersächsischen Jäger" als Mitteilungsblatt für unseren Verband nutzen zu wollen. Gemäß Jahresbericht 1960/61 zählte die Bremer Jägervereinigung e.V. 900 Mitglieder. 63 Prüflinge bestanden die Jägerprüfung, wobei Herr Dr. Tellmann beklagte, dass nur wenige Jungjäger der Vereinigung beigetreten waren. Im Jahre 1962 endete die Ära Dr. Tellmann. Der seit 16 Jahren für die BJV tätige Präsident lehnte aus Altersgründen eine Wiederwahl ab, zumal er seit 1960 auch als Präsident des DJV fungierte. Diese Position gab er ein Jahr später ebenfalls auf. Noch drei weitere Jahre bis zu seinem Unfalltod bekleidete Herr Dr. Tellmann den Posten des Landesjägermeisters.

Adolf Götte
Foto: Foto Ljb
Adolf Götte
Auf der Jahreshauptversammlung im November 1962 wurde nach einer turbulenten Wahl der Kaufmann Adolf Götte, bisher bereits 11 Jahre Vorsitzender der Stadtgruppe Neustadt, neuer Präsident der Bremer Jägervereinigung e.V. Herr Dr. Karl Minnich wurde Vizepräsident, nach kurzzeitiger Tätigkeit jedoch durch Herrn Baudirektor Karl Danielsen abgelöst. Die Herren Jonas und Bormann wurden im Amt bestätigt.

In Bremen waren inzwischen die Neubaugebiete Neue Vahr und Osterholz entstanden. Dies führte 1964 zur Neugründung der Stadtgruppe Vahr. Nach einer Korrektur 1966 gehörten hierzu die Teile Vahr, Neue Vahr, Sebalds-Brück und Osterholz. Als Zeichen der Zeit war es zu sehen, dass die Jahreshauptversammlung im Februar 1965 erstmalig mit Kesselpauken zu den Jagdsignalen eröffnet wurde. Etwa 300 Waidgesellen konnten begrüßt werden. Der Mitglieder-Stand war auf 1127 (Bremen 941, Bremerhaven 186) angewachsen. Großer Andrang herrschte nach wie vor bei den Jägerprüfungen, es war in diesem Jahr mit 100 Prüflingen zu rechnen. Herr Götte deutete an, dass die Prüfungsordnung, die im Zusammenhang mit dem Bremischen Jagdgesetz erlassen würde, Verschärfungen erforderlich machten.

Dem Bürgerpark wurde eine Spende von DM 6000,- anlässlich des 100-ährigen Bestehens überwiesen. Gemäß Kassenbericht war das Gesamtvermögen auf DM 83 000,- angewachsen. Auch in den Stadtgruppen tat sich einiges. Die Jäger beteiligten sich sehr zahlreich an den Versammlungsabenden. Anlässlich einer außerordentlichen Hauptversammlung im September 1965 wurde Herr Götte zum Landesjägermeister gewählt. Sein Stellvertreter wurde Gerhard Mücke, zum Stadtjägermeister in Bremerhaven wurde Helmut Jakob, damaliger Vorsitzender der Stadtgruppe Bremerhaven, vorgeschlagen. Die Landesjagdbehörde wurde zwischenzeitlich vom Senator für Wirtschaft und Außenhandel übernommen. Das Wahljahr 1966 brachte Veränderungen in den Vorstand, der sich nun aus dem Präsidenten Adolf Götte, Vizepräsident Heinz Jonas, Schatzmeister Jürgen Schad und Schriftführer Ulrich Schroeder zusammensetzte.Herausragendes Ereignis im April 1967 war die Jahreshauptversammlung des Deutschen Jagdschutz-Verbandes. Es kamen Jäger aus allen Teilen der Bundesrepublik. Sie wurden im Rathaus von Herrn Senator Eggers empfangen. Die Delegiertentagung fand, nach vorhergehender Hafenrundfahrt und anschließendem „Grünen Fest", in der Strandlust Vegesack statt. Den Abschluss bildete die repräsentative DJV-Hauptversammlung im großen Saal des Rathauses.

Der Bürgerpark erhielt eine Spende von 4300 DM, mit dem Wunsch, das Wildschweingatter vom jetzigen „saumäßigen" in einen „sauwürdigen" Zustand umzugestalten. In der Riensberger Straße musste vom Waidgesellen H.T. Terveen ein verirrter Damschaufler erlegt werden, nachdem alle Versuche gescheitert waren, den Hirsch in Richtung Damwildgehege/Bürgerpark zu treiben. Der Tierfilmer Theo Kubiak erhielt die DJV-Verdienstnadel in Bronze für seine Bemühungen um die heimische Tierwelt, die er in etlichen Filmen dargestellt hat. Der Vorbereitungslehrgang zur Jägerprüfung wurde 1966/67, erstmals in der Regie der Bremer Jägervereinigung, unter der Leitung der Waidgesellen Kloppenburg und Dr. Richard Müller durchgeführt. Herr Dr. Carsten Rosenhagen hielt ein Kurzreferat über die Tollwut. Nach 30-jähriger Forschungsarbeit würde es in Zukunft möglich sein, Hunde zu impfen. Da in Bremen die Schutzimpfung leider verboten war, wurde ein Sondergesetz mit 1-jähriger Übergangsregel erlassen, um Schutzimpfungen für Hunde zu ermöglichen. Der Vertrag zum Ankauf eines Schießstandgeländes in Waakhausen, Größe 7,5 ha, wurde beschlossen. Vom Nordwestdeutschen Schießleistungszentrum (Stiftung) wurde den Bremer Jägern und Schützen der Schießstand (Trap/Skeet) nach Absprache zur Verfügung gestellt. Zukünftig waren die Jahreshauptversammlungen mit einer Pflichtgehörnschau verbunden. Im Stadtwald kamen ca. 30 Stück Rehwild als Standwild vor. Aus diesem Grunde entschloss sich die Verwaltung des Bürgerparks, die jährliche Krähenjagd nicht mehr durchzuführen, um so Störungen des Rehwildes zu vermeiden.

Die Herren Dr. Müller und Dr. Ardelt bemühten sich sehr um die gründliche Ausbildung der Jagdscheinanwärter. Das „Bremer Modell", ein exakt vorbereiteter Unterrichtsablauf mit erfahrenen Referenten und Ausbildern, wurde vorgestellt. Die Hauptversammlung im März 1971 stand unter dem Zeichen der Verabschiedung des Präsidenten Herrn Adolf Götte, der in den vielen Jahren seiner Tätigkeit die BJV auf einen Mitgliederstand von 1232 Jägerinnen und Jägern brachte. Eine Neuwahl erfolgte vorerst nicht, Interimspräsident wurde Hugo T. Terveen. Die Herren Gerhard Mücke als neuer Landesjägermeister und Otto Weiss als Stellvertreter wurden auf Vorschlag der Bremer Jäger von der Obersten Jagdbehörde bestätigt. Hiermit endete auch die teilweise problematische Personalunion Präsident der BJV und Landesjägermeister.


Dr. Karl Minnich
Foto: Foto Ljb
Dr. Karl Minnich
Auf der Landeshauptversammlung im November 1971 (anwesend ca. 240 Mitglieder) wurde Landgerichtsdirektor a.D. Dr. Karl Minnich zum neuen Präsidenten der Bremer Jägervereinigung e.V. gewählt. Der bereits 1968 gewählte Vizepräsident Hugo T. Terveen und die Herren Schad, Schroeder und Jakob (Bremerhaven) ergänzten weiterhin den Vorstand.

Seit dem 1.1.1973 gibt es in der Bundesrepublik ein neues Waffengesetz. Dies weckte starke Emotionen bei den Bremer Jägern. Es wurde befürchtet, dass dies der Anfang einer Waffenentziehung wäre. Herr Dr. Minnich erklärte jedoch bereits damals, dieses Gesetz sei unter dem Eindruck der terroristischen Aktivitäten der Baader-Meinhof-Gruppe entstanden, von einer Besitzeinschränkung könne aber nicht gesprochen werden. Das „Grüne Fest" wurde inzwischen nur noch alle zwei Jahre gefeiert. Die nach wie vor beliebte Veranstaltung wurde in der Munte II durch Herrn Pauls hervorragend ausgerichtet. Anlässlich der Hauptversammlung im März wurde eine Umlage von DM 50,-je Mitglied für die Erweiterung des Schießstandes in Waakhausen beschlossen. Hiermit und mit einem Zuschuss von DM 25 000,- aus der BJV-Kasse war es endlich möglich, den seit langem geplanten Kugelstand zu errichten. Im gleichen Jahr bot Herr Dr. Roselius der BJV den Betrieb der Stiftung „Nordwestdeutsches Trainingszentrum“ zur Übernahme an. Zur Bewältigung der hiermit verbundenen Probleme, fand Dr. Minnich eine geschickte Lösung durch die Gründung des „Bremer Vereins zur Förderung des sportlichen Schießens". Der Verein übernahm die Geschäftsführung für die gesamte Schießanlage in Waakhausen, die von Frau Ingeborg Schad geleitet wurde.

Erstmals beteiligte sich die Bremer Jägervereinigung mit der DJV-Ausstellung an der HAFA in Bremen - nicht zuletzt durch die Bläser wieder ein erfolgreiches Unternehmen. Herr Dr. Ardelt hatte den Kurs zur Ausbildung der Jagdscheinanwärter zu einer perfekten Bildungseinrichtung ausgebaut und übergab den Posten des Kursleiters an Herrn Dr. Borgward (1978). Der Entwurf des Bremischen Jagdgesetzes war inzwischen überarbeitet, der Mitgliederbestand auf die Anzahl 1505 gestiegen. Es gab nun die Möglichkeit, den Jagdschein für drei Jahre zu lösen. Die Kosten betrugen 168 DM zuzüglich einer Jagdabgabe von 90DM, wovon 30DM als zweckgebundene Mittel wieder an die Jägerschaft zurückflossen.


Hugo Tebbe Terveen
Foto: Foto Ljb
Hugo Tebbe Terveen
Herr Dr. Minnich kandidierte 1981 nicht wieder für das Amt des Präsidenten. Als Dank für seine Tätigkeit wählte die Versammlung ihn zum Ehrenpräsidenten. Herr Hugo Tebbe Terveen wurde zum Präsidenten gewählt, Herr Heinz Nordmann, seit 1971 bereits tätig, blieb Vizepräsident, Herr Martin Behrens, seit 1973 im Amt, wurde wie auch die Herren Schad und Jakob (Bremerhaven) wiedergewählt. Als Jägermeister schlug man erneut Gerhard Mücke und Helmut Jakob (Bremerhaven) der Behörde vor. Neuer stellvertr. Stadtjägermeister wurde Herr Diedrich Sinning.

Nach der Neufassung des Bundesjagdgesetzes 1976 verabschiedete man im Oktober 1981 endlich auch das Bremische Landesjagdgesetz im Senat. Das Buch von Horst Stern, wie auch die Fernsehsendung „Die Sache mit dem Waidwerk" brachte auch bei den Bremer Jägern die Emotionen hoch. Differenzen bezüglich der Erhöhung der Gebühren für die Jungjägerausbildung führten zum Wechsel in der Leitung des Kurses. Ab 1982 übernahm Herr Günter Othmer die Stelle des zurückgetretenen Dr. Peter Borgward. Anlässlich der Hauptversammlung 1984 erfuhren die Teilnehmer, dass der Mitgliederbestand erstmals rückläufig war. Die Anzahl der Jägeranwärter war ebenfalls geringer geworden. Eine erfreuliche Verbesserung des Wildbestandes in der Stadtgemeinde Bremen war festzustellen: Zur Strecke kamen 188 Stück Rehwild, 1564 Hasen, 1774 Kaninchen, 737 Fasanen, 2567 Wildtauben, 1855 Wildenten und 79 Füchse.

Nachdem bereits im Vorjahr der Stadtjägermeister Mücke sein Amt aufgab, stand hier eine Neuwahl an. Als neuer Stadtjägermeister wurde Diedrich Sinning, zum Vertreter Werner Fischer, der Oberen Jagdbehörde vorgeschlagen. Die Landesjagdbehörde wechselte vom Senator für Wirtschaft und Außenhandel zum Senator für Naturschutz. Im Jahre 1986 wurden Ergänzungswahlen notwendig. Nach dem Tod von Heinz Nordmann wurde Dr. Karl Arend Teilmann, bereits zwei Jahre zuvor kommissarisch im Einsatz, nun zum Vizepräsidenten gewählt. Hans Corinth erhielt das Amt des Schriftführers. Helmut Jakob, Bremerhaven, gab aus Altersgründen seinen Posten ab. Sein Nachfolger als Mitglied im Präsidium wurde Herr Diedrich Fricke. Stadtjägermeister in Bremerhaven wurde zu einem späteren Zeitpunkt Herr Heiko Klein. Zum neuen Präsidenten im Bremer Verein zur Förderung für das sportliche Schießen wurde Herr Ulrich Schroeder gewählt. Der Stadtjägermeister beklagte, dass wildernde Hunde im gesamten Stadtgebiet Rehe hetzten und rissen, besonders im Bürgerpark und Stadtwald.

Das Jahr 1986 war negativ gekennzeichnet durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Es brachte eine außerordentliche Verunsicherung der Bevölkerung hinsichtlich des Verzehrs von Wildbret mit sich. Insbesondere die örtliche Presse spielte hierbei durch Veröffentlichung überhöhter Cäsiumwerte bewusst oder unbewusst eine entscheidende Rolle. Auf völliges Unverständnis bei Jägern, aber auch bei einem großen Teil der Nichtjäger, stieß die Bundesartenschutzverordnung mit dem Verbot der Bejagung von Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher. Einen sehr positiven Eindruck hinterließ die Jagdausstellung „Wildtier und Umwelt" in Nürnberg. Der Landesjagdverband Bremen war mit einem Stand vertreten, der große Beachtung fand. Der Präsident Hugo T. Terveen sprach Günter Othmer Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. 680 ha Borgfelder Wümmewiesen wurden Naturschutzgebiet. Das Recht zur Jagd blieb dort jedoch erhalten. Hugo T. Terveen wirkte an der Änderung der Satzung des DJV in Nürnberg 1988 mit. Seitdem sind die Präsidenten der Landesjägerschaften Präsidialmitglieder im DJV. Herr Terveen war nun zuständig für das Hundewesen und insbesondere für die Kontaktpflege zum JGHV verantwortlich. Während seiner Amtszeit wurde die Bremer Jägervereinigung in „Landesjägerschaft Bremen" umbenannt, um so besser die Stellung der organisierten Bremer Jäger im DJV zu verdeutlichen.


Gerhard Delhougne
Foto: Niedersächsischer Jäger
Gerhard Delhougne
Die Jahreshauptversammlung 1989 brachte Veränderungen in das Präsidium der Landesjägerschaft Bremen. Hugo T. Terveen stellte sein Präsidentenamt zur Verfügung und schlug als geeigneten Nachfolger den Rechtsanwalt und Notar Herrn Gerhard Delhougne vor. Die geheime Wahl ergab, dass die Versammlung mit 176:1 Stimmen mit dem Vorschlag einverstanden war. Per Akklamation wurden die Herren Lüder Schad zum Vizepräsidenten und Karl-Heinz Boidol zum Schriftführer gewählt, der während der Wahlperiode zurücktrat und durch Herrn J. W. Bauer ersetzt wurde. Jürgen Schad als Schatzmeister und Diedrich Fricke als Vertreter für Bremerhaven wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Wie bereits 1987 fand im Dom wieder eine Hubertusmesse statt. Die hohe Besucherzahl zeugte von dem großen Interesse bei Jägern und Nichtjägern. Als Trend war erkennbar, dass Jagdgegner in allen Bundesländern zunehmend versuchten, die Jagd zu verunglimpfen. Der Tierschützer Apel wurde auch in Bremen aktiv und versuchte, durch amtliche Verfügungen die notwendigen Hundeprüfungen zu verhindern. Der neue Präsident übernahm 1989 auch in Bonn die Aufgaben von Hugo T. Terveen. Seit 1996 führt er den Vorsitz in dem unter Freiherr v. Heereman ins Leben gerufenen DJV-Jagdhundeausschuß. Das Präsidium wurde 1993 wiedergewählt, allerdings löste Dr. Walter Weber Herrn Fricke ab. Gerhard Delhougne ist es zu verdanken, dass die Landesjägerschaft ein eigenes Mitteilungsblatt „Standlaut" besitzt, dessen sich die Mitglieder in der LJB bedienen. Unter dem Präsidenten Herrn Delhougne wurden zu den letzten Hauptversammlungen namhafte Gäste und Gastredner eingeladen, u.a. 1990 die Senatorin Schulte-Lemke aus Bremen, 1991 Politiker/innen aller Parteien aus Bremen anlässlich der bevorstehen¬den Landtagswahl, 1992 der Bauernpräsident Freiherr von Heereman, 1993 der DJV Präsident Dr. Frank, 1994 Frau Dr. Sigrid Schwenk, Leiterin der Forschungsstelle für Jagdkultur der Universität Bamberg.

Zusammen mit der Commerzbank fand 1993 eine interessante Podiumsdiskussion im Borgfelder Landhaus statt. Teilnehmer waren u.a. Prof. Müller, Prof. Cordes von der Bremer Uni, Herr Seitz vom BUND und Herr Senatsrat Wehrbeck. In Zusammenarbeit mit der Oberen Jagdbehörde (Herr Peter Werner-Harves) wurde ein Hasen- und Rebhuhnprojekt durchgeführt. Eine Ausstellung hierüber fand in der Commerzbank statt. In den letzten Jahren hat der Stadtmensch wieder zunehmend die Natur entdeckt. Er sucht Erholung in Feld und Wald. Natur-, Tier- und Vogelschutzverbände regen sich und machen - nicht nur verbal - Front gegen die Jäger. Insbesondere in den stadtnahen Revieren und den Revieren des Landes Bremen wird mehr und mehr der Kontakt mit der früher eher jagdlich desinteressierten Bevölkerung notwendig. Hier kommt der Öffentlichkeitsarbeit in Zukunft besondere Bedeutung zu.


[Quelle: Harald Schwarting]