[17.05.2010]

Stärke durch Einigkeit - Bericht von der Jahreshauptversammlung der LJB

LJB-Präsident Gerhard Delhougne (6. v. li.) mit den langjährigen und verdienten Mitgliedern.
Foto: Dr. Dieter Bartsch
LJB-Präsident Gerhard Delhougne (6. v. li.) mit den langjährigen und verdienten Mitgliedern.
Die Diskussion um die Zukunft des DJV beherrschte die diesjährige Zusammenkunft der Mitglieder der Landesjägerschaft Bremen. Auf der Tagesordnung standen außerdem Ehrungen und die Streckenberichte der Stadtjägermeister von Bremen und Bremerhaven.

Neben bremischen Themen prägten die Geschehnisse im DJV die Jahreshauptversammlung der Landesjägerschaft Bremen (LJB), zu der sich Jägerinnen und Jäger aus der Hansestadt und Bremerhaven wieder im „Borgfelder Landhaus“ getroffen hatten. Dem Saal hatten Mitglieder der Stadtgruppe Nord um ihren Vorsitzenden Edmund Abke ein jagdliches Ambiente verliehen. Die Versammlung wurde musikalisch umrahmt vom Bläsercorps der Landesjägerschaft.

LJB-Präsident Gerhard Delhougne, der auch einer der drei Vizepräsidenten des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) ist, war natürlich eng in die Ereignisse um den DJV eingebunden. Bereits vor einem Jahr hatte er berichtet, dass der Landesjagdverband Bayern mit seinem Austritt aus dem DJV gedroht habe, wenn seine Forderungen nach einer Reduzierung des Beitrages, einem Abbau des Personals in der Geschäftsstelle in Bonn, dem sofortigen Umzug nach Berlin und einer Satzungsänderung mit mehr Rechten für die Landesjagdverbände nicht erfüllt würden. Anscheinend solle der DJV nur noch ein zahnloser Tiger sein, so Delhougnes Kommentar.

Diesen Forderungen hätten sich die Landesjagdverbände Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Saarland und Hamburg angeschlossen, ließ Delhougne die Entwicklung Revue passieren. Das sei sicherlich geschehen, um die Bayern um fast jeden Preis im DJV zu halten. Der DJV habe vor einer echten Zerreißprobe gestanden. „Auf allen Ebenen des DJV wurde im 60. Jahr seines Bestehens intensiv und kontrovers über Reformen und eine Neustrukturierung diskutiert.“

Diskussion um Reformen geht weiter

Auf einer Sonderdelegierten-Versammlung sei im September ein Kompromiss gefunden worden, der u. a. vorgesehen habe, der Delegierten-Versammlung 2010 einen mehrheitsfähigen Satzungsentwurf vorzulegen. Diesen Kompromiss hätten die Bayern jedoch nicht akzeptiert. Seit Januar 2010 gehe der Landesjagdverband Bayern nun seinen eigenen Weg. „Ich bedaure diesen Schritt außerordentlich. Unserer Arbeit für Jagd und Jäger in Deutschland hat er nicht gedient“, fasste der LJB-Präsident zusammen.

Die Reformdiskussion sei damit aber noch nicht am Ende. Der Umzug der DJV-Geschäftsstelle nach Berlin sei beschlossene Sache. Außerdem solle der Delegiertenversammlung anlässlich des Bundesjägertages Anfang Juni in Templin der Entwurf einer neuen Satzung vorgelegt werden.

Ideologie triumphiert über Sachkenntnis

„Wir Jäger in Deutschland sind nur stark, wenn wir einig sind“, rief Delhougne zur Geschlossenheit auf. Gerade die kleinen Landesjagdverbände bräuchten einen starken DJV, der ihnen zur Seite stehen könne. Wohin die Föderalismusreform geführt habe, zeigten derzeit Rheinland-Pfalz und Saarland. Wenn beispielsweise eine halbjährige Schonzeit auf den Fuchs, auch auf Jungfüchse, das absolute Verbot der Fallenjagd oder der Wegfall des unbestimmten Rechtsbegriffs „Waidgerechtigkeit“ gefordert werde, so zeige das nur die Unkenntnis der agierenden Politiker und ihren Willen zur Umsetzung von ideologischen Forderungen einzelner Natur- und Tierschutzverbände.

 

LJB in vielen Bereichen aktiv

Bremens Stadtjägermeister Harro Tempelmann (li.) versbschiedet Heinz Kehlenbeck aus der Jägerprüfungskommission.
Foto: Dr. Dieter Bartsch
Bremens Stadtjägermeister Harro Tempelmann (li.) versbschiedet Heinz Kehlenbeck aus der Jägerprüfungskommission.

Danach wandte sich Delhougne den Aktivitäten der Landesjägerschaft zu. Erfreulich sei, dass die Verordnung über die Erhebung der Jagdabgabe, die zunächst bis Ende 2009 befristet worden war, auf intensives Betreiben der LJB weiterhin Gültigkeit habe. Die Oberste sowie die Untere Jagdbehörde hätten dieses Anliegen stark unterstützt. Das LJB-Präsidium habe mit Thomas Dürr einen Obmann für Öffentlichkeitsarbeit berufen. Mit seiner Unterstützung solle bewusst gemacht werden, dass die Jäger in Bremen viel für den Natur- und Artenschutz täten. Aus der jagdlichen Öffentlichkeitsarbeit nicht wegzudenken sei das Bläsercorps der Landesjägerschaft unter Leitung von Annemarie Behrens, das „immer präsent ist, wenn es gebraucht wird“. Höhepunkt der zahlreichen öffentlichen Auftritte sei sicher die Hubertusmesse in Oberneuland gewesen. Auch die Repräsentation der Landesjägerschaft auf der HanseLife habe zur guten Öffentlichkeitsarbeit gehört.

Unter Anleitung von Jochen Leisse und seinen Helfern bereiteten sich derzeit 15 Kandidaten auf die Jägerprüfung vor, gab Delhougne weiter bekannt. Als Nachfolger für den langjährigen Jagdhundeobmann Kurt Wernicke habe man Andreas Rudloff gewinnen können.

Argumente für die Niederwildjagd

Für den erkrankten Dr. Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover referierte Dipl.-Biologe Oliver Keuling über die Ergebnisse der Wildtiererfassung (WTE) im Lande Bremen. Diese Wildtiererfassung, die in Niedersachsen bereits seit fast 20 Jahren erfolgreich laufe, finde in Bremen und Bremerhaven auch starken Anklang. Es lägen auch vier der bundesweit 552 Referenzreviere für das Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands (WILD) im Stadtstaat.

Anhand von Grafiken erläuterte Keuling die Populationsentwicklung bei einer Reihe von Niederwildarten. Dabei machte er auch deutlich, dass diese Auswertungen eine wichtige argumentative Hilfe für den Erhalt der Niederwildjagd darstellen. Eine wissenschaftlich korrekte Einschätzung der Besätze sei dringend erforderlich, um in der jagdpolitischen Diskussion über die Jagd in Zukunft mitreden zu können.

Nachdem die Jahreshauptversammlung ohne Gegenstimme beschlossen hatte, den Jahresbeitrag unverändert zu lassen, sprachen sich die Anwesenden ebenfalls einstimmig dafür aus, den bisherigen Bremer Stadtjägermeister Harro Tempelmann und seinen Vertreter Hinrich Geerken zur Wiederwahl vorzuschlagen.

Hohe Fallwildrate und Kaninchenschäden

Danach verlasen Tempelmann und sein Bremerhavener Amtsbruder Jörn Model die Streckenberichte des vergangenen Jagdjahres. Sorgen bereite in Bremen der mit über 50 Prozent sehr hohe Anteil Fallwild beim Rehwild, erklärte Tempelmann. Die Strecke bei dieser Wildart sei mit 439 Stück gegenüber dem Vorjahr um 54 Stück höher. Gleichzeitig sei aber auch die Zahl des Fallwildes, insbesondere bedingt durch Verkehrsunfälle und Mähverluste bei den Kitzen, von 166 auf 229 Stück gestiegen. In Bremerhaven, so Model, sei es den Revierinhabern durch gezielte Vorbeugemaßnahmen wie Duftzäune gelungen, gerade im Bereich der Autobahnzubringer die Häufigkeit der Kollisionen mit Rehwild deutlich zu senken. Dadurch liege der Anteil des Fallwildes aufgrund von Verkehrsunfällen bei gut 23 Prozent. Dafür machten hier die Kaninchen aufgrund der von ihnen verursachten Schäden von sich reden. Er hoffe, dass die intensive Bejagung im letzten Herbst und Winter aber für einen deutlichen Besatzrückgang gesorgt habe.

 

Langjährige und verdiente Mitglieder geehrt

Die silberne Bremer Verdienstnadel wurde (v. li.) Friedrich Kropp, Friedrich Wolf, Erwin Ziep und Peter Greim verliehen
Foto: Dr. Dieter Bartsch
Die silberne Bremer Verdienstnadel wurde (v. li.) Friedrich Kropp, Friedrich Wolf, Erwin Ziep und Peter Greim verliehen.
In diesem Jahr wurde die silberne Bremer Verdienstnadel verliehen an Peter Greim, den Vorsitzenden der Jägerschaft Wesermünde-Bremerhaven, Friedrich Kropp, langjähriger Vertreter der LJB im Naturschutz-Beirat, Friedrich Wolff, langjähriger Vorsitzender der Stadtgruppe Nord-Ost, und Erwin Ziep, langjähriger Schießwart der Stadtgruppe Nord-Ost.

Für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden Dr. Heinrich Behrens, Gerhard Brettmann, Heiner Büsing, Johann Christoffers, Wilhelm Frorath, Werner Früchtnicht, Hans-Wöltje Kaemena, Hans Kruse, Dr. Walter Lange, Werner Makatowski, Jürgen Meyer, Wolfgang Plate, Joachim Riegel, Klaus Rosenbusch, Heinz Schliefke, Dieter Schosland, Laila Schwarting und Heinrich-Gerhard Tietjen. Weiterhin wurden Margarete Delventhal, Günter Ehlebracht, Gerhard-Wilhelm Flothmeier, Rolf Hagen, Ursula Hegemann und Erich Schwecke für 50 Jahre Zugehörigkeit zur Landesjägerschaft Bremen geehrt. Auf 60 Jahre Mitgliedschaft können Johann Geerken, Hans-Hasso Jonas und Hinrich-Lüder Stoll zurückblicken.

 

[Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des "Niedersächsischer Jäger" (Dr. Dieter Bartsch)]