Bericht über die Hauptversammlung 2009 der LJB
Dunkle Wolken über dem DJV
Die untergehende Frühlingssonne tauchte das „Borgfelder Landhaus“, die traditionelle Versammlungsstätte der Bremer Jägerinnen und Jäger, in ein mildes Licht. Mitglieder der Stadtgruppe Neustadt hatten dem Saal ein jagdliches Ambiente gegeben und das Bläsercorps der Landesjägerschaft sorgte für den zünftigen musikalischen Rahmen. Ein Ort der Idylle?
Im 60. Jahr seines Bestehens brauen sich über dem Deutschen Jagdschutz-Verband (DJV) dunkle Wolken zusammen. Mit dieser schlechten Nachricht leitete Präsident Gerhard Delhougne seinen Bericht auf der Jahreshauptversammlung der Landesjägerschaft Bremen (LJB) ein. Bereits im Herbst letzten Jahres habe Prof. Jürgen Vocke, Präsident des Bayrischen Landesjagdverbandes, in seiner Verbandszeitschrift Beschlüsse des DJV kritisiert, denen er in seiner Eigenschaft als DJV-Vizepräsident seinerzeit ausdrücklich zugestimmt hätte. Im Februar dieses Jahres habe Prof. Vocke dann das DJV-Präsidium mit verschiedenen Forderungen konfrontiert und angedroht, sein Jagdverband werde aus dem DJV austreten, wenn die Forderungen nicht bis Ende August erfüllt würden.
Wie so oft gehe es u. a. um Geld, erläuterte Delhougne, der auch DJV-Vizepräsident ist, die Hintergründe. Bekanntlich zahle jeder Landesjagdverband pro Mitglied und Jahr einen Betrag von 12 € an den DJV. Das bedeute für Bayern bei ca. 45 000 Mitgliedern ein Beitragsaufkommen von über 500 000 €. Prof. Vocke fordere nun eine Rückzahlung von ca. 300 000 € bzw. für die Zukunft eine entsprechende Beitragsminderung. Da andererseits alle Landesjagdverbände selbstverständlich gleich behandelt werden müssten, würde eine entsprechende „bundesweite“ Beitragsminderung bedeuten, dass der DJV seine Aufgaben nicht mehr in der bisherigen Qualität erfüllen könne. Auch Prof. Vockes Begründung für seine Forderung, die Aufgaben der Landesjagdverbände seien nach Inkrafttreten der Föderalismusreform gewachsen, stimme nur bedingt. Schließlich hätten die Bundesländer schon immer eigene Landesjagdgesetze gehabt. Mit den Gesetzgebern in den Bundesländern zu verhandeln, sei also ständige Aufgabe der Landesjagdverbände gewesen. Das habe mit der Föderalismusreform überhaupt nichts zu tun.
Mit einer Stimme in Berlin und Brüssel
Zweifellos hätten die Länder Kompetenzen gewonnen, räumte der LJB-Präsident ein. Wer daraus aber ableite, dass auf Bundesebene weniger gemacht werden müsse, der unterliege einem für uns alle möglicherweise verheerenden Irrtum. So hätten beispielsweise die Regelungen im Bundestierschutzrecht, im Bundeswaffenrecht, im Naturschutzrecht, im Bundestierseuchenrecht und in der Bundesverordnung zum Fleischhygienerecht nach wie vor entscheidenden Einfluss auf das Jagdrecht der Länder. Hinzu kämen zahlreiche internationale und europarechtliche Vorgaben, die immer mehr Einfluss auf die jagdrelevante Gesetzgebung in Deutschland hätten und auf Bundesebene bearbeitet werden müssten. Schon heute würden fast 80 % aller Gesetze, die uns beträfen, in Brüssel gemacht. Als Beispiele nannte Delhougne das EU-Lebensmittelhygienegesetz, die Vogel- und die FFH-Richtlinie, die Regulierung der Fangnormen oder das Europäische Waffenrecht. Die entscheidenden Debatten und Verhandlungen fänden nicht auf Länder-, sondern auf Bundesebene statt. „Wir brauchen daher weiterhin einen starken Bundesverband, der die Meinungen der Landesjagdverbände bündelt und mit einer Stimme die Position der deutschen Jägerschaft nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in Brüssel und Straßburg vertritt“, forderte der LJB-Präsident.
Völlig unverständlich war für Delhougne die Weigerung des Bayrischen Landesjagdverbandes, DJV-Präsident Jochen Borchert und das Geschäftsführende Präsidium des DJV am Bayrischen Landesjägertag teilnehmen zu lassen. Die DJV-Spitze wollte dort auf Widersprüchlichkeiten in der Argumentation Vockes hinzuweisen und klar machen, dass auf Grund von Einzelinteressen nicht die Einheit der deutschen Jäger kaputt gemacht werden dürfe. Die Satzung des DJV sehe ausdrücklich eine Teilnahme des Präsidenten bei Beratungen der Landesjagdverbände vor, wenn es um wesentliche Fragen gehe, die den DJV berührten, betonte Delhougne.
Den derzeitige Stand der Dinge fasste der LJB-Präsident wie folgt zusammen: Auf der Klausurtagung des DJV im November ist die Bildung einer Arbeitsgruppe beschlossen worden, die sich mit der Verteilung zukünftiger Aufgaben zwischen DJV und den Landesjagdverbänden beschäftigt. Die Bayern sind in der letzten Präsidiumssitzung aufgefordert worden, konkret Anträge zu stellen, wie sie sich das Abspecken des DJV vorstellen und welche Satzungsänderungen sie im Einzelnen wünschen. Die Vorschläge sollen in die Arbeitsgruppe eingebracht werden. Das DJV-Präsidium wird darüber beraten und der Delegiertenversammlung im Rahmen des Bundesjägertages Anfang Juni seine Überlegungen zur Entscheidung vorlegen. „Erpressen lassen darf sich der Deutsche Jagdschutz-Verband durch den Landesjagdverband Bayern aber nicht. Gerade wir kleinen Jagdverbände brauchen das starke Dach des DJV!“, bekräftigte Delhougne.
Hervorragende Öffentlichkeitsarbeit
Foto: Klaus Bielka
Stadtgruppenvorsitzender Harald Schwarting (links) und der Leiter der Jungjägerausbildung, Joachim Leisse, auf dem HansLife-Stand der LJB.
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Kurz nach der letztjährigen Hauptversammlung sei bekannt geworden, dass die Verordnung über die Erhebung der Jagdabgabe im Rahmen von Maßnahmen zur Rechtsbereinigung befristet worden sei und Ende 2009 auslaufe, wandte sich der Präsident bremischen Belangen zu. Die Landesjägerschaft habe daraufhin Senator Loske dargelegt, dass sie es unbedingt für erforderlich halte, dass die bisher mit der Jagdabgabe eingenommenen Mittel auch weiterhin zur Förderung der Jagd in Bremen zur Verfügung stehen müssten. Dieses Anliegen hätten dankenswerterweise die Oberste und auch Untere Jagdbehörde unterstützt. Dem Vernehmen nach solle in Absprache mit dem Senator für Justiz ein neues Artikelgesetz vorgelegt werden, in dem auch die Verordnung über die Erhebung der Jagdabgabe unbefristet verlängert werden soll.
Neben der wirksamen Öffentlichkeitsarbeit durch die Jagdhornbläser hob der Präsident auch den Auftritt der Landesjägerschaft auf der „HanseLife“ hervor. Hier hätten viele Besucher in Gesprächen überzeugt werden können, dass Jäger wahre Naturschützer seien. Der Präsident dankte dafür allen Beteiligten. Sein besonderer Dank galt dem in diesem Jahr leider verstorbenen Harald Schwarting, der federführend für die ausgezeichnete Darstellung verantwortlich zeichnete.
Als weitere gute Nachricht konnte Delhougne vermelden, dass der versuchsweise erst Anfang Oktober statt schon im September begonnene Jungjägerkurs im Gegensatz zu den Vorjahren erstaunlich schnell ausgebucht war. Wegen der mit 23 Anmeldungen erreichten Kapazitätsgrenze hätten weitere Bewerber leider abgewiesen werden müssen. Von den 23 Kursteilnehmern hätten 20 die Jägerprüfung bestanden. Der Notendurchschnitt habe bei 1,95 gelegen. Dafür sprach der Präsident allen Ausbildern, insbesondere Joachim Leisse und seinem Stellvertreter Jörg Behrens, seine Anerkennung aus.
Weiterhin kündigte Delhougne an, dass in Bremen eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Jäger“ kurz vor ihrer Gründung stehe. Fabian Hanke und Max Epping hätten diese Aufgabe übernommen und würden von Jörg Behrens unterstützt. Hier sollten sich junge Jäger zusammenfinden, um sich jagdlich fortzubilden, und an die Verbandsarbeit herangeführt werden. Eine gute Möglichkeit zur Zusammenarbeit könne sich mit dem LJB-Mitglied Bernhard Kaemena ergeben, der ökologischen Landbau betreibe und beabsichtige, auf seinem Hofgrundstück in Niederblockland, das bereits jetzt viele Besucher anziehe, als Jäger aktiven Naturschutz darzustellen. Beispielsweise solle mit Hinweistafeln auf die Problematik „Bodenbrüter und Prädatoren“ aufmerksam gemacht werden. Außerdem sollten u. a. Blühstreifen angelegt oder Fledermauskästen gefertigt werden.
Satzungsänderung und Präsidiumswahlen
Foto: Nds. Jäger (Dr. Bartsch)
Das Präsidium der Landesjägerschaft Bremen (v. li.): Vizepräsident Dr. Ulrich Tucholke, Schriftführer Martin Behrens, Schatzmeisterin Gisa Habitz, Präsident Gerhard Delhougne und der Vertreter der Stadtgruppe Bremerhaven, Holger Bartels.
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Die Anträge auf Änderung der LJB-Satzung, die eine Klarstellung für die Bremerhavener LJB-Mitglieder bringen und die Mitgliedschaft und das Stimmrecht in den Stadtgruppen regeln, wurden von Schriftführer Martin Behrens erläutert. Die Versammlung genehmigte anschließend die beantragten Änderungen.
Reibungslos ging auch die Wahl des geschäftsführenden Präsidiums vonstatten. Präsident Gerhard Delhougne, sein Stellvertreter Dr.-Ing. Ulrich Tucholke, Schriftführer Martin Behrens und Schatzmeisterin Gisa Habitz wurden in ihren Ämtern bestätigt. Die Interessen der Stadtgruppe Bremerhaven vertritt Holger Bartels.
Schwieriges Thema „locker rübergebracht“
Foto: Nds. Jäger (Dr. Bartsch)
Bundesminister a. D. Karl-Heinz Funke verstand es wie eh und je, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu gewinnen.
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Mit der „Jagd in unserer Gesellschaft“ beschäftigte sich der Vortrag von Karl-Heinz Funke. Dem ehemaligen Bundesminister gelang es, seine Gedanken zu diesem Thema, die zwangsläufig stark verschiedene Bereiche der Gesellschaftswissenschaften berührten, so aufzulockern, dass die Bremer Jägerinnen und Jäger gebannt seinen Ausführungen lauschten.
Zu Zeiten unserer Großväter habe es kein Jäger nötig gehabt, sich für seine Jagdpassion rechtfertigen zu müssen, erinnerte Funke. Die 80er- und 90er-Jahre hätten einen Wandel gebracht und diese „heile Welt“ verändert. Seit damals schafften es kleine Minderheiten immer wieder, ihre Meinung als allgemein gültig auszugeben. Eine Entwicklung, die bestimmte Kreise lange nicht hätten wahrhaben wollen. So sei z. B. aus der Umweltschutzbewegung die Tierschutzbewegung entstanden, die das Tier dem Menschen gleich stellen möchte. Mitmenschen, die diese Auffassung nicht teilten, werde eine mindere ethische Gesinnung unterstellt.
Funke vertrat die Ansicht, die Frage nach der Berechtigung, Tiere zu töten, werde nur von denjenigen gestellt, die satt seien und auch genau wüssten, dass sie morgen ebenfalls genug zu essen hätten. „Wer Hunger hat, redet und denkt ganz anders!“, so seine Erfahrung. Die Diskussion um Sinn oder Unsinn der Jagd müsse meist auch nicht mit den sog. unteren Schichten der Bevölkerung geführt werden, sondern mit den „höheren Ebenen“.
Letztendlich sah der ehemalige Minister die Zukunft der Jagd durchaus gesichert. Das an den Besitz von Grund und Boden gebundene Jagdrecht sei eine legitime Form der Nutzung. Die Jäger sollten sich auch offen zum Jagen wollen bekennen. Anderenfalls würden sie unglaubwürdig. Außerdem sollten sie sich nicht von kleinen Minderheiten verrückt machen lassen, sondern sorgfältig prüfen, ob da „nicht Wasser gepredigt, aber Wein getrunken“ werde.
Verdiente Mitglieder gewürdigt
Foto: Nds. Jäger (Dr. Bartsch)
Die für besondere Verdienste oder langjährige Verbandszugehörigkeit ausgezeichneten Mitglieder der Landesjägerschaft Bremen.
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Die LJB-Jahreshauptversammlung bietet einen würdigen Rahmen, langjährige und besonders verdiente Mitglieder herauszustellen. Für 40-jährige Zugehörigkeit zum Jagdverband geehrt wurden Klaus Bruns, Dr. Friedhelm Fischer, Conrad Kannengiesser, Jens-Dieter Müller, Helmut Osterwohldt, Hillers Schild, Hans-Joachim Sie und Hermann Südermann. Auf eine 50-jährige Mitgliedschaft zurückblicken können Hans-Hermann Behrens, Heinz Brenger, Heinz-Werner Keller, Max-Joachim Kossel, Helmut Meyer, Günter Othmer und Dr. Eberhard Solte. Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden Ingeborg Schad und Wilhelm Winkelvoß.
Mit der DJV-Verdienstnadel in Silber wurden die aus ihren Ämtern scheidenden Gerrit Dirks und Kurt Wernicke ausgezeichnet. Als langjähriger Landesschießobmann bzw. Landeshundeobmann haben sich beide große Verdienste erworben. Die DJV-Verdienstnadel in Bronze wurde Ernst Heitmann, die Bremer Verdienstnadel in Silber Jörg Behrens und Klaus Bièlka verliehen.
Kaninchen verursachen Schäden
Foto: Nds. Jäger (Dr. Bartsch)
Mittlerweile hat das Schwarzwild auch die Bremer Reviere erreicht. Leider ist der Überläuferkeiler dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.
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Während in anderen Revieren Kaninchen eher selten geworden sind, haben sie sich in Bremerhaven wegen der von ihnen verursachten erheblichen Schäden u. a. an Deichen unbeliebt gemacht. Jörn Model, Stadtjägermeister von Bremerhaven, berichtete, dass die grauen Flitzer vom Herbst bis in den Februar hinein mit dem Frettchen intensiv bejagt worden seien. Ab Januar habe die Myxomatose die Besätze zusätzlich dezimiert. Die jagdlichen Maßnahmen zur Schadensabwehr seien immer wieder ein Thema für die Medien gewesen und positiv bewertet worden. Auch der Bremer Stadtjägermeister Harro Tempelmann bestätigte Klagen über Schäden durch Wildkaninchen, insbesondere von Schrebergärtnern.
Ein weiterer Punkt beider Stadtjägermeister war die nach wie vor hohe Zahl der Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung. In Bremerhaven fielen 23 % der Rehwildstrecke dem Straßenverkehr zum Opfer. In Bremen beträgt der Fallwildanteil beim Rehwild sogar 43 %. Auch die im Streckenbericht ausgewiesenen fünf Sauen seien „von der Straße erlegt“ worden, beklagte Tempelmann. Ein Grund für die hohe Zahl der Wildunfälle seien Lücken in den Wildschutzzäunen entlang viel befahrener Straßen. Ein untragbarer Zustand, den er gegenüber den zuständigen Stellen wiederholt angesprochen habe.[Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des "Niedersächsischer Jäger" / Dr. Bartsch]
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