[01.06.2006]
Bundesjägertag: Jäger machen mobil gegen Naturentfremdung
Peter Harry Carstensen unterstreicht vor 2.000 Besuchern die Rolle der Jäger als Naturbotschafter
Der Bundesjägertag 2006 in Lübeck stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mit allen Sinnen Natur erleben – 15 Jahre Lernort Natur“. Mehr als 600 Schulkinder aus Lübeck und Umgebung sorgten auf dem Lernort-Natur-Parcours des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein rund um das Lübecker Tagungszentrum für die passende Kulisse. Ergänzt wurde der Parcours durch rollende Waldschulen aus zahlreichen Bundesländern und Luxemburg.
Die Delegierten verabschiedeten auf dem Bundesjägertag mit überwältigender Mehrheit ein Positionspapier für die künftige Umweltbildungsarbeit der Jäger im Rahmen von Lernort Natur. Zudem nahm die Delegiertenversammlung den DJV-Geschäftsbericht entgegen und genehmigte den DJV-Jahresabschluss 2005, Präsidium und Geschäftsführung wurden entlastet. Ebenfalls genehmigt wurde der DJV-Haushaltsplan für das Jahr 2007.
Foto: DJV
Lernort Natur vermittelt jungen Menschen ein realitätsnahes Bild unserer Kulturlandschaft.
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Vor mehr als 2.000 Besuchern dankte DJV-Präsident Jochen Borchert auf der traditionellen Abschlusskundgebung den zahlreichen Jägern für ihre bundesweite ehrenamtliche Bildungsarbeit: „Lernort Natur ist eine wichtige Brücke für die Jugendlichen der Hightech-Generation zur Natur. Rund 150.000 Kinder gehen jährlich mit in die Reviere und stellen allzu oft erstaunt fest, dass das Reh nicht die Frau vom Hirschen ist.“ Das ehrenamtliche Engagement der Jäger sei eine wichtige Dienstleistung für die gesamte Gesellschaft, betonte Borchert. Es gehe darum, die um sich greifende Natur-Verniedlichung zu durchbrechen und eine schonende Nutzung der Natur anhand der Jagd zu verdeutlichen. „Viele Jugendliche frönen dem Massenkonsum mit Handy, PC und Co., blenden aber die drastischen Folgen für die Natur völlig aus“, sagte Borchert.
„Als naturbewusste Menschen haben Jäger die Pflicht, insbesondere junge Menschen an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Es geht um das Lernen aus erster Hand, nicht über das Internet“, unterstrich Festredner Peter Harry Carstensen, amtierender Bundesratspräsident und Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Überdies sei Jagd nicht nur irgendein „Hobby“, Jagd habe einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Es gelte das Wild zu schützen, Lebensräume zu erhalten und die biologische Vielfalt zu fördern. Carstensen begrüßte die DJV-Position, sich für ein neues einheitliches Bundesjagdgesetz stark zu machen und sagte hierfür die Unterstützung und aktive Mithilfe des Landes Schleswig-Holstein zu. Ziel müsse ein Gesetz sein, das die bewährten Grundzüge des geltenden Rechts fortführt, also das flächendeckende Reviersystem, einen umfassenden Katalog jagdbarer Arten und die ganzheitliche Biotophege.
Foto: T. Reinwald
DJV-Präsident Jochen Borchert
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Zur Rolle der Jäger erklärte der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Peter Paziorek, dass Naturschutz und Naturnutzung Hand in Hand gehen müssten. Mehr als die Hälfte aller Deutschen lebten auf dem Lande, darunter viele Jäger, Land- und Waldbesitzer. Ein modernes Jagdrecht müsse deshalb nicht nur allgemeine gesellschaftliche Anforderungen berücksichtigen, sondern das Engagement von Jägern und Grundeigentümern durch eine praxisgerechte Ausgestaltung unterstützen.
DJV-Präsident Borchert ging in seiner Kundgebungsrede auf die anstehende Föderalismusreform ein und plädierte für eine zügige Anpassung des Bundesjagdgesetzes an die neue Rechtsordnung, sobald die Föderalismusreform im Grundgesetz verankert sei. „Eine Kommission aus Fachleuten von DJV und Landesjagdverbänden bereitet derzeit einen Entwurf für die Anpassung des Bundesjagdgesetzes an die neuen rechtlichen Grundlagen vor“, so Borchert. Der Entwurf solle dann in eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingereicht werden. Borchert appellierte an die Verantwortlichen von Parteien und Verbänden, einen tragfähigen Kompromiss für eine möglichst einheitliche Jagdgesetzgebung in Deutschland zu finden. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir das Jagdrecht noch mehr vereinheitlichen können als bisher“, sagte Borchert.
Hinsichtlich der nationalen Umsetzung des EU-Hygienepakets warnte Borchert vor überzogenen Forderungen und überflüssigen bürokratischen Hürden für die Wildbretvermarktung. Er forderte in seiner Rede die Bundesregierung auf, möglichst rasch eine entsprechende Durchführungsverordnung zu erlassen und damit für Klarheit und Rechtssicherheit zu sorgen. Im Zusammenhang mit der so genannten „kundigen Person“ wies Borchert darauf hin, dass jeder Jäger sicherstellen müsse, dass das Fleisch genusstauglich sei. Durch den hohen Standard der der Ausbildung und Prüfung der Jäger in Deutschland seien die EU-Anforderungen erfüllt. Es sei erfreulich, dass diese DJV-Forderungen vom Gesetzgeber akzeptiert werden.
[Quelle: DJV]