[02.04.2006]

Schweinepest hat sich in NRW ausgebreitet

Schonzeit für Wildschweine aufgehoben

Die Schweinepest hat sich am Wochenende in Nordrhein-Westfalen weiter ausgebreitet. Nach der Ausbreitung im Kreis Recklinghausen im Ruhrgebiet hat sich die gefährliche Tierseuche auf den Münsterländer Nachbarkreis Borken ausgeweitet.

NRW-Landwirtschaftsminister Eckard Uhlenberg (CDU) rief einen Krisenstab mit Beteiligung des Bundes-Landwirtschaftsministeriums zusammen, um Schutzmaßnahmen zu treffen. Ein befürchteter, noch größerer «Flächenbrand» blieb aber zunächst aus, weil sich ein neuer Verdachtsfall zwischen den rund 30 Kilometer auseinander liegenden Seuchenzentren nicht bestätigte.

«Alle Proben von dem Verdachtshof in Lembeck bei Dorsten waren negativ», sagte Recklinghausens Kreissprecher Jochem Manz am Sonntag. Seit Ausbruch der Seuche Anfang März dieses Jahres sind jetzt mehr als 13 000 Schweine in NRW getötet worden. Im Bereich Haltern im Kreis Recklinghausen sollen am Montag weitere 6000 Tiere getötet werden. Betroffen ist auch der nach eigenen Angaben größte «Musterbauernhof» Europas, der «Prickingshof», der täglich von zahlreichen Reisebussen aus Deutschland und den Niederlanden angesteuert wird.

Im Kreis Borken sind nach derzeitigem Stand keine Keulungen mehr notwendig. In Raesfeld mussten am Wochenende kurzfristig 2900 Schweine in sieben Betrieben gekeult werden. «Für den Kreis Borken ist seit Samstag der Ausbruch der Schweinepest amtlich festgestellt», sagte ein Sprecher. In einem drei Kilometer-Umkreis wurde eine Sperrzone eingerichtet, in der weder geschlachtet noch gehandelt werden darf. Am Montag werden dort in allen 87 Betrieben stichprobenartig Blutproben der rund 41 000 Tiere genommen.

Nach Angaben des Kreises Borken wird bereits untersucht, ob das Schweinepest-Virus eingeschleppt wurde. Nach ersten Erkenntnissen sei keine Verbindung zu den Fällen in Haltern zu erkennen. «Konkrete Erkenntnisse über die Seuchen-Ursache gibt es noch nicht», erklärte ein Kreissprecher.

Im Halterner Vorort Sythen werden am Montag weitere 6000 Tiere in 23 Betrieben gekeult. Alleine auf dem «Prickingshof» sollen am Montagabend bis in die Nacht hinein 2200 Schweine getötet werden. «Der Zeitpunkt wurde bewusst gewählt, um den Betrieb nicht über Gebühr zu belasten», erklärte Jochem Manz.

Im Beobachtungsbezirk im Umkreis von 10 Kilometern wurden inzwischen 20 000 Blutproben von Schweinen entnommen, um möglichen weiteren Seuchenherden auf die Spur zu kommen. Im 10-Kilometer- Umkreis sind 140 000 Schweine in 340 Betrieben untergebracht.

Seit Ende März herrscht in NRW ein von der EU verhängtes Transportverbot für Schweine. Auch sind Transporte von und nach NRW untersagt. Schweine dürfen landesweit nur noch zum nächsten Schlachthof gebracht werden. Auktionen sind verboten. Entschädigungen gibt es derzeit nur für gekeulte Tiere. Die von den Einschränkungen betroffenen Mäster hoffen auf Hilfen von Land und EU. Am Samstag hob Uhlenberg die Schonzeit für Wildschweine auf, um ein Übergreifen des Virus auf die Wildtiere zu vermeiden.

 

[Quelle: DJV]